Anzeige
Anzeige
Anzeige

Interview mit Uwe Weiss, Geschäftsführer beim Automatisierer Weiss

Quo vadis digitalis?

Corona wirkt auf die Digitalisierung wie ein Katalysator: Das Thema nimmt in vielen Unternehmen enorm an Fahrt auf. Für den mechatronischen Lösungsanbieter Weiss hat sich die Digitalisierung zur Top-Strategie entwickelt. Geschäftsführer Uwe Weiss erklärt im Gespräch mit ROBOTIK UND PRODUKTION, warum dabei der Weg das Ziel sein darf und wie sein Unternehmen Kunden animiert, stärker auf Cloud Automation zu setzen.

Uwe Weiss formuliert als Geschäftsführer eines mechatronischen Lösungsanbieters die Digitalisierung zur Top-Strategie. (Bild: Weiss GmbH)

Uwe Weiss formuliert als Geschäftsführer eines mechatronischen Lösungsanbieters die Digitalisierung zur Top-Strategie. (Bild: Weiss GmbH)

ROBOTIK UND PRODUKTION: Herr Weiß, wann profitiert die Industrie wirklich von einer digitalen Vernetzung?

Uwe Weiss: Jeder hat in den vergangenen Monaten persönlich erfahren, was es bedeutet, sich schnell an unwägbare Situationen anpassen zu müssen. Was wir als Menschen können, muss künftig auch für Unternehmen gelten – und zwar nicht nur in Krisenzeiten, sondern immer. Denn nur in einer Produktion, in der alles mit allem vernetzt ist, wird die Adaptionsfähigkeit das Maß aller Dinge. Industrieunternehmen müssen in der Lage sein, ihre technische Infrastruktur schnell und flexibel auf neue Marktanforderungen auszurichten. Und das kann man nur mit digitaler Intelligenz erreichen.

ROBOTIK UND PRODUKTION: In wie weit bleibt künftig die technologische Innovation noch entscheidend?

Weiss: Innovation bleibt einerseits die Basis für zukunftsfähige Produktionslandschaften, muss jedoch andererseits auch eine Brücke in die digitale Welt bieten. Dann kann eine Fertigung erst effizient und flexibel auf unterschiedliche Losgrößen, Individualisierungswünsche oder neueste Konsumtrends reagieren. Für die Weiss-Gruppe sind nach wie vor innovative Antriebslösungen und -plattfomen elementar, damit wir agil und effektiv auf genau diese Herausforderungen reagieren können. Denn die steigenden Anforderungen, den sich unsere Kunden gegenüber sehen, geben sie an uns weiter, weil wir die passende Technik haben. Jetzt kommt zusätzlich die Digitalisierung ins Spiel, die uns durch Tools und Software-Bausteine neue Interaktionsmöglichkeiten innerhalb der Wertschöpfungskette bringt. Die Grenzen zwischen Mechanik und Softwarelösungen verschwimmen. Um das zu verstehen, anzuwenden und weiter voranzutreiben, muss uns die Digitalisierung genauso in Fleisch und Blut übergehen, wie einst die mechanischen Fähigkeiten. Kein Anbieter kann sich nurmehr auf sein angestammtes Gebiet zurückziehen und die Programmierung anderen überlassen.

„Die Digitalisierung muss uns genauso in Fleisch und Blut übergehen, wie einst die mechanischen Fähigkeiten.“ Uwe Weiss, Geschäftsführer bei Weiss

ROBOTIK UND PRODUKTION: Dann implementieren Sie zuerst digitale Tools, um den Kunden so auf den binären Geschmack zu bringen?

Weiss: Exakt. Ich sehe enormes Potenzial, um das Engineering mit Tools aufzuwerten und unsere Kundenprojekte damit auf ein neues Niveau zu bringen. Schlussendlich geht es natürlich darum, die Leistung zu verbessern und produktiver zu werden. Das kann zukünftig nur gelingen, wenn wir Fertigungsanlagen produkt- und systemorientiert durch konsequente und durchgängige Digitalisierung verbessern.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Schritte braucht es, um vom klassischen Automatisieren zu einem datengestützten Prozess zu gelangen?

Weiss:
Wir müssen als Anbieter erkennen, dass unsere Arbeit durch den Einsatz von Software besser werden kann. Dann wird auch der Umgang mit digitalen Tools einfach, die die Produktion beim Anwender effizienter gestalten. Unser Kerngeschäft sind Verkettungsprozesse – ob rundtaktend, längstaktend, über Einzelachsen, Achskombinationen oder Deltaroboter. Diesen mechanischen Maschinenprozessen wird bei Weiss nun auch ein Software-Stempel aufgedrückt. Von der optimalen Produktauswahl über zukunftsfähige Schnittstellen in der Integration bis zu attraktivem Support bieten wir die richtigen Mittel und Wege. Mit Weiss.Digitalpower als Tochterunternehmen haben wir dafür die richtigen Weichen gestellt.

„Wir müssen erkennen, dass unsere Arbeit durch den Einsatz von Software besser werden kann.“ Uwe Weiss, Geschäftsführer bei Weiss

ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche digitalen Bausteine können Kunden konkret in Anspruch nehmen?

Weiss:
Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Einsatz eines Digital Twins, um Themen wie Steuerungstechnik und Software frühzeitig ins Engineering einfließen zu lassen. Ein weiterer Baustein wird unser digitalisierter Rundschalttisch TC smart sein, mit dem man der smarten Fabrik und Data Analytics noch einen Schritt näher kommt. Wichtig ist aber auch der Faktor Mensch in der Digitalisierung. Er kann z.B. bei der Inbetriebnahme durch Scannen eines QR-Codes am Produkt schnell die zugehörige Dokumentation, Konfiguration, Anleitungen oder sogar einen Hotline Support abrufen. Deswegen sind wir auch an einer zeitgemäßen UI/UX dran.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Welche Rolle spielt die industrielle Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung?

Weiss:
Wenn wir intelligente Komponenten und Systeme zuverlässig in einem Industrienetzwerk verknüpfen wollen, dann sind leistungsfähige Kommunikationsstrukturen unverzichtbar. Doch nur mit offenen Standards kommt man zur Interoperabilität der Systeme. Hier braucht es eine gut ausgebaute Infrastruktur und neue Technologien, die auf Netzwerken und Partnermodellen basieren. Es darf keine Befindlichkeiten und Abgrenzungen mehr geben. Stattdessen sind Transparenz und Vertrauen gefragt. Speziell bei der digitalen Vernetzung mit OPC UA müssen wir mutig voranschreiten, um international nicht abgehängt zu werden. Durch unsere OPC-UA-fähigen Steuerungen und Softwareprodukte sind wir aber schon jetzt gut gerüstet. Sie gewährleisten eine durchgängige Anbindung unserer Lösungen: Serverdaten lassen sich direkt auswerten – ganz ohne aufwändige Datenerfassung in einer SPS.

ROBOTIK UND PRODUKTION: Zu guter Letzt beenden Sie bitte folgenden Satz: Vernetzung ist der Schlüssel zur Zukunft der Automatisierung. Das bedeutet…

Weiss:
… das bedeutet, dass aus Sicht des Endkunden die Flexibilität und Rekonfiguration von Maschinen einfach gestaltet sein muss, damit sie ihre Automatisierungs-, Maschinen- und Produktionskonzepte immer wieder neu ausrichten können. Deswegen wollen wir entsprechende Entscheidungshilfen und smarte Lösungen anbieten, immer passend für die jeweiligen Branchen und Regionen. Nur so nehmen wir gemeinsam die Hürden, die Digitalisierung zu manifestieren.

Interview mit Uwe Weiss, Geschäftsführer beim Automatisierer Weiss
Bild: Weiss GmbH


Empfehlungen der Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Der Fischertechnik-Baukasten Robotics Hightech bietet Robotermodelle, die, mit Kamera und Sensoren ausgestattet, verschiedene Aufgaben lösen können. Eine Besonderheit sind die Omniwheels, denn mit den neuen Bauteilen können sich die Roboter in sämtliche Richtungen bewegen.  ‣ weiterlesen

Bei Zarges zeigen rund 30 Monitore Details aller Abläufe der Produktionslinien in Echtzeit an. Dadurch verbessert der Leichtmetallbauer die Auslastung seiner Fertigungsroboter. Das Unternehmen hat so ein komplettes MES installiert und gewinnt zusätzlich aus seinen Daten neue Informationen, die es für seine Business Intelligence nutzt. Am Stammsitz in Weilheim existieren unter anderem zwei Roboterlinien zum Schweißen und Stanzen. Um deren Auslastung zu verbessern, suchte das Unternehmen nach einer Möglichkeit, die Zyklus- und Taktzeit auf Dashboards darzustellen. Das Unternehmen entschied sich dafür, Peakboard einzusetzen.  ‣ weiterlesen

Anzeige

Im Werk der Firma Stela Laxhuber im niederbayerischen Massing sorgt eine Cell4_Production-Roboterzelle von Kuka für das Verschweißen von Ventilatoren für Trocknungsanlagen. Diese kommen in zahlreichen Branchen, wie der Agrarwirtschaft, der Holzwerkstoffverarbeitung, der Lebensmittel-, Futtermittel,- Zellstoff- und Papierindustrie oder der Wasserwirtschaft, zum Einsatz. ‣ weiterlesen

Anzeige

In der digitalen Pressegesprächsreihe 'Auf einen Kaffee mit…' diskutierten Experten von Kuka und Webasto über die Mobilität von Morgen. Dabei im Mittelpunkt: Die intelligente Automatisierung in der Elektromobilität. Als Praxisbeispiel diente ein vollautomatisches Werk für die Produktion von Batterie-Packs für einen europäischen Bushersteller.‣ weiterlesen

Anzeige

Die Handling-to-Welding-Roboterschweißzelle von Fronius fügt Bauteile unterschiedlicher Geometrien und Werkstoffe. Den Job erledigen dabei zwei Roboter - der Handling-Roboter bringt die Werkstücke in Position, der zweite Roboter schweißt. Unterschiedliche Konfigurationsmöglichkeiten und Softwarelösungen sorgen dafür, dass sich das System nahtlos in die Produktionsabläufe einfügt.‣ weiterlesen

Anzeige

Montratec setzt zur Visualisierung seines Monoschienen- und Shuttle-Transportsystems Montrac die von Dualis angebotene 3D-Simulationsplattform Visual Components mit spezifischer Bibliothek ein. So lässt sich eine detaillierte und realitätsgetreue Vorabsimulation erstellen, die sämtliche Optionen, Komponenten und möglichen Erweiterungen offen legt. ‣ weiterlesen