Anzeige

Servopressmaschine wird zur Servomessmaschine

Wandlungsfähig

Basis für die Herstellung von Servopressen sind aufeinander abgestimmte Komponenten, wie spezielle Präzisionsführungen oder steife C-Rahmen aus Werkzeugstahl. Genau diese Eigenschaften sind es, die auch industrietaugliche Höhenmessgeräte benötigen. Ergänzt durch eine zusätzliche Servopresse lassen sich Präzisionpressen daher auch zum Ausmessen von Höhentoleranzen nutzen.

Die Präzisionspresse AiPress besitzt eine aktive Fügevorrichtung für die Inline-Vermessung. (Bild: IEF-Werner GmbH)

Es zeichnet sich ein Trend in der Fertigungs- und Montagebranche ab: Viele Hersteller verschieben qualitätsbestimmende Faktoren weg von der spanenden Fertigungs- hin zur Montagegenauigkeit. „Dies gilt vor allem für Produkte, die immer weiter verkleinert werden“, sagt Frank Neugart, Produktmanager bei IEF-Werner. Prinzipiell stellen Fertigungstoleranzen bei der Skalierung von Produkten nach oben keine nennenswerte Herausforderung dar. Wenn es jedoch darum geht, Produkte immer kleiner und kompakter zu gestalten, spielen sie eine sehr große Rolle. Wo früher auf Anschlag montiert wurde, erschweren nun kleine Ungenauigkeiten diese bewährte Montagemöglichkeit. Zwar lassen sich Toleranzgrenzen durch eine Auswahl geeigneter Präzisionsfertigungsverfahren anpassen. Das führt jedoch in den allermeisten Fällen zu inakzeptablen Produktionskosten. Industrie 4.0 kann hier effiziente Lösungen anbieten. Denn diese Vision ist in der Fertigungs- und Montagebranche schon lange kein Fremdwort mehr.

Dynamisch angepasste Montageprozesse

Konkret geht es dabei um dynamisch angepasste Montageprozesse. Dynamisch bedeutet in diesem Zusammenhang, verschiede Produktionsparameter während der Produktion ständig an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Ein darauf spezialisiertes Kommunikationssystem erfasst individuelle Messdaten, verarbeitet diese blitzschnell und passt die damit verbundenen Prozesse dynamisch an. „Unsere Servopresse nutzt die Ergebnisse der Messstation zur Offset-Korrektur“, berichtet Neugart. Jeder Montageprozess ist anders, somit ist jedes Produkt ein präzises Unikat.

Hohe Genauigkeit erforderlich

Diese Genauigkeit fordert auch Bürkert Werke bei der Herstellung von kompakten Magnetventilen. „Es kommt besonders darauf an, dass die Abstände exakt eingehalten werden, die zum vollständigen Öffnen und zum sicheren Verschließen der Ventile nötig sind“, erklärt Ottmar Müller, Serienanlaufmanager bei Bürkert Werke. Magnetventile bestehen aus vielen kleinen Komponenten. Die funktionalen Bauteile haben meistens so komplexe Formen, dass sie sich mit herkömmlichen spanenden Fertigungsverfahren nicht wirtschaftlich herstellen lassen. Deshalb kommen nur Spritzgussteile aus Kunststoff in Frage. Mit dem Spritzgießen lassen sich Genauigkeiten von bis zu 1/100mm erreichen. Wenn es jedoch genauer werden soll, ist zusätzliche Aufmerksamkeit auf den Montageprozess zu legen. Die Entwickler von IEF-Werner haben sich dieser Aufgabe angenommen und den Montageprozess bei Bürkert verbessert. Zu diesem Zweck wurde die vorhandene Präzisionspresse AiPress mit einer zusätzlichen Servopresse ausgestattet. Diese wird jedoch nicht zum Fügen der Bauteile benutzt, sondern zum individuellen Ausmessen der Höhentoleranzen. Die MessPress, wie die Maschine von den Ingenieuren liebevoll genannt wird, nutzt dabei den präzisen Aufbau des Grundsystems, die standardmäßig vorhandenen Messgeräte für Kraft und Weg sowie die patentierte Positionierungs- und Antastfunktion. „Lediglich einen pneumatischen Miniaturhubzylinder mussten wir in die Teileaufnahme integrieren“, erklärt Neugart. „Dieser Hub sorgt dafür, dass die oberen und unteren Messpunkte ermittelt werden können. Die Differenz daraus entspricht der Bauteilhöhe auf fünf Mikrometer genau.“ Der Messvorgang lässt sich über Parameter speziell anpassen. Der Anwender kann z.B. die Antastkraft oder die Anzahl, wie oft gemessen werden soll, angeben. Die zweite Maschine, die für das Fügen auf die Zielposition zuständig ist, wurde mit der MessPress verkettet. Nachdem das Messergebnis ermittelt ist, erfolgt die Verrechnung der Daten sowie die Anpassung des Fügeprozessprogramms, das auf der Festplatte der Pressmaschine abgelegt ist. In dieser Zeit entnimmt der Bediener das Bauteil aus der Messvorrichtung und legt es, zusammen mit weiteren Teilen, in die Montagevorrichtung der Servopresse ein. Danach erfolgt die Ausführung des dynamisch angepassten Fügeprozessprogramms. „Die Ergebnisse ermöglichen eine 100-prozentige Qualitätskontrolle“, erläutert Müller.

Servopressmaschine wird zur Servomessmaschine
Die Präzisionspresse AiPress besitzt eine aktive Fügevorrichtung für die Inline-Vermessung. (Bild: IEF-Werner GmbH)


Empfehlungen der Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Auf der diesjährigen Automate in Chicago hat die International Federation of Robotics zu einem CEO Round Table geladen. Neben Zahlen, Fakten und Trends ging es dabei auch um das Global Race for Leadership in Robotics and AI.‣ weiterlesen

In der Anfang 2019 gegründeten OPC-UA-Initiative End-of-Arm Tools soll es um ein übergeordnetes Informationsmodell gehen, in dem Roboterwerkzeuge wie Greifer oder Schraubsysteme beschrieben werden. ROBOTIK UND PRODUKTION lässt Stefan Hoppe, President & Executive Director der OPC Foundation, sowie Andreas Faath, Leiter der Abteilung Interoperabilität OPC UA beim VDMA zu Wort kommen und ihre Sicht auf die Initiative darstellen.‣ weiterlesen

In der aktuellen Trendumfrage hat ROBOTIK UND PRODUKTION wieder namhafte Experten befragt, diesmal zum Thema Roboter in IoT und Cloud. Dabei ging es um Ressourcen moderner Clouds, Sprachsteuerung und Echtzeitfähigkeit. Es antworteten Christoph Groll, Head of IIoT Solutions bei Kuka, Nils Tersteegen, Marketingleiter bei Fanuc Deutschland, und Jan Metzner, Specialist Solutions Architect IoT, EMEA bei Amazon Web Services.‣ weiterlesen

Anzeige

Bei dem neuen Roboter-Rollfalzverfahren Smart Hemmer von Comau handelt es sich um eine kompakte, symmetrische Rollfalzvorrichtung, die komplexe Nähte schnell, flexibel und präzise falzt. Die Lösung eignet sich vor allem für Elektro-, Hybrid- und herkömmliche Leichtfahrzeuge, da sie es Autoherstellern ermöglicht, verschiedenartige Werkstoffe mit Hilfe eines Kaltverfahrens bei vollständiger Prozesskontrolle zu verbinden. 

Das Robotik-Startup Acutronic Robotics hat ein neuartiges Framework für Deep Reinforcement Learning (DRL) in der modularen Robotik entwickelt. ROS2Learn bietet einen Ansatz, bei dem der Roboter direkt mit den üblichen Roboterwerkzeugen trainiert werden kann.

Die Yamaha Factory Automation Section, eine Unterabteilung der Yamaha Motor Robotics Business Unit, hat ein Europa-Büro eröffnet, um den Support für Vertriebspartner und Kunden von industriellen Robotersystemen und -produkten zu verstärken.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige