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Mehr als die Summe seiner Teile

Die Geschichte der Mensch/Roboter-Kollaboration ist eine Geschichte voller Missverständnisse. So hat es z.B. fast ein Jahrzehnt gedauert, bis der Markt verstanden hat, dass MRK – zumindest in den allermeisten Fällen – keine Ablöse für klassische Roboterapplikationen leisten kann.

Mathis Bayerdörfer, Chefredakteur ROBOTIK UND PRODUKTION (Bild: TeDo Verlag GmbH)

Zu hoch wären die Einbußen bei Taktrate und Anlagenverfügbarkeit. Aber in Zeiten weiter steigender Automation bieten Cobots eine spannende Ergänzung zu bestehenden Roboterlösungen. Auch wenn dabei eine harte Nuss zu knacken ist: die Sicherheitsabnahme der MRK-Applikation. Sie lähmt den kometenhaften Aufstieg der neuen Roboter ungemein. Denn obwohl die Cobot-Hersteller ihre Kinematiken standardmäßig zertifiziert haben, muss in der Praxis für jede Applikation spezifisch nachgewiesen werden, dass von ihr keinerlei Gefahr für den Menschen ausgeht.

Kann ein Baukasten an MRK-Komponenten und -Zubehör das Leben des Anwenders an dieser Stelle erleichtern? Einige Unternehmen und Organisationen widmen sich diesem Thema sehr intensiv. Zum einen die Firma Pilz, die ihren Baukasten zwar unter dem Begriff Servicerobotik anbietet, damit aber auch in Richtung MRK abzielt. Zum anderen OnRobot mit seiner One-Stop-Shop-Strategie. Bis auf den Roboter selbst will der dänische Anbieter alle Zubehörteile für die Ausrüstung von Cobot-Applikationen aus einer Hand anbieten. Auch der Marktführer Universal Robot sei hier zu nennen, der mit einer Community-Plattform komplette MRK-Applikationen etablieren will – vorab getestet und zertifiziert.

Noch einen Schritt weiter geht das Projekt Improv der TU München. Um die Praxis der Sicherheitsabnahme nachhaltig zu verändern, wird ein Baukasten entwickelt, dessen Teile allesamt mit Chips versehen sind. In der Folge soll sich der Roboter selbst entsprechend des individuellen Bausatzes programmieren können. Ergänzt um Kameras, die alle Bewegungsdaten von Menschen in der Nähe sammeln, soll das System ein Fehlverhalten des Roboters quasi unmöglich machen. Ein spannender Ansatz, der Cobots in der Praxis zu deutlich mehr Schub verhelfen könnte. Bis es so weit ist, bleibt MRK als Ganzes mehr als die Summe seiner (zertifizierten) Teile. Aber kein Grund, solange den Kopf in den Sand zu stecken, wie der Schwerpunkt ‚MRK in der Anwendung‘ in dieser Ausgabe zeigt (ab S. 30). Ich wünsche eine spannende Lektüre.

Mathis Bayerdörfer,
mbayerdoerfer@robotik-produktion.de

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Editorial ROBOTIK UND PRODUKTION 5/2019: Mehr als die Summe seiner Teile



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