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Editorial ROBOTIK UND PRODUKTION 4/2020: Von automatisiert zu autonom

Der Bereich mobile Roboter und FTS hat einiges mit dem der stationären Kinematiken gemeinsam. Beide erobern aktuell neue Branchen und Anwendungsgebiete. Zudem sollen beide in naher Zukunft auch flächendeckend im Mittelstand eingesetzt werden. Doch neue Anwenderschaften mit alten Features zu erschließen wird schwer. Da kommt die Digitalisierung wie gerufen.

Mathis Bayerdörfer, Chefredakteur ROBOTIK UND PRODUKTION (Bild: TeDo Verlag GmbH)

Fahrerlose Transportsysteme gehören in vielen großen Produktionsbetrieben längst zum Alltag – teils seit Jahren, teils seit Jahrzehnten. Und die Akzeptanz für solch mobile Einheiten wächst kontinuierlich. Als mobile Montageplattformen für große Werkstücke genauso wie als Logistiklösungen für Fertigungsmaterial. Mehrere aktuelle Studien bescheinigen dem Markt sowohl gewaltiges Potenzial als auch rasantes Wachstum.

In kleinen und mittelständischen Unternehmen sind die mobilen Einheiten jedoch noch die Ausnahme. Das wird sich nur ändern, wenn die speziellen Anforderungen dieser Zielgruppe stärker berücksichtigt werden. Der Anschaffungspreis ist dabei nur ein Aspekt. Die laufenden Kosten spielen eine ebenso große Rolle. Kaum ein Mittelständler kann sich ausgewiesene Spezialisten für mobil automatisierte Prozesse leisten.

Wie bei klassischen Roboteranwendungen auch, gilt es also die Komplexität der mobilen Lösungen zu kaschieren – mit modernen Software-Tools, intuitiven Programmieroberflächen und smarten Algorithmen. Sie vereinfachen nicht nur die Inbetriebnahme, sondern auch eine Anpassung der Routen und Aufgaben während des Betriebs. Eine starre Führung über Bodenmarkierungen oder Induktionsschleifen ist bei KMU selten das Mittel der Wahl. Stattdessen sorgen Laserscanner und Vision-Systeme – ebenfalls unterstützt durch leistungsstarke Softwaresysteme – dafür, dass die mobilen Einheiten ihre Umgebung selbstständig wahrnehmen. Aus automatisiert bzw. fahrerlos wird autonom.

Um ihren Siegeszug durch die mittelständische Produktion antreten zu können, muss mobile Robotik also bezahlbar, beherrschbar und flexibel sein. Eigenschaften, die natürlich auch bei Großunternehmen ankommen. Dass viele Anbieter diesen Weg bereits einschlagen, zeigt der Schwerpunkt in dieser Ausgabe (ab Seite 56).

Um die mobile Robotik mit Blick durch die große Brille fit für die digitale Fabrik zu machen, bedarf es zudem einheitlicher Standards. Was OPC UA für den Maschinenbau, will bei mobilen Lösungen der jüngst vorgestellte Standard Omlox werden. Mit ihm sollen sich autonome Einheiten aller Art auf höherer Ebene orten und verwalten lassen, unabhängig von der jeweils eingesetzten Funktechnologie. Auffällig ist, dass sich unter den Initiatoren zwar große Namen wie Trumpf, Siemens oder T-Systems finden, aber keine etablierten Anbieter von FTS-Lösungen oder mobilen Robotern. Bleibt zu hoffen, dass dieser Baustein – wie die mobile Robotik selbst – entsprechend hohe Akzeptanz im Markt findet.

Ich wünsche eine interessante Lektüre.

Mathis Bayerdörfer, Chefredakteur, ROBOTIK UND PRODUKTION

Editorial ROBOTIK UND PRODUKTION 4/2020: Von automatisiert zu autonom
Mathis Bayerdörfer, Chefredakteur ROBOTIK UND PRODUKTION (Bild: TeDo Verlag GmbH)


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