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Virtuelle Autopsie

Robotereinsatz in der Rechtsmedizin

Die Anzahl der forensisch-genetischen Untersuchungen an Tatortspuren hat in den vergangenen Jahren sprunghaft zugenommen. Dem Institut für Rechtsmedizin steht mit dem Virtobot ein zukunftsweisendes System zur Verfügung, welches es ermöglicht, automatisiert Gewebeproben zu entnehmen und 3D-Scan durchzuführen. Die Automatisierung des Analyseprozesses sorgt für Effizienz und erleichtert gleichzeitig das Einhalten von Sicherheits- und Qualitätsstandards.

DCIM100GOPRO (Bild: ACMIT GmbH)

Der Virtobot 2.0 vereint 3D-Oberflächenscanning und CT-Scanning mit automatischem Instrumentenwechsel für Biopsie oder Photogrammetrie. (Bild: Acmit GmbH)

Die Rechtsmedizin untersucht auf Anordnung der Staatsanwaltschaft außergewöhnliche Todesfälle, aber auch lebende Menschen nach einer Gewalteinwirkung. Einer der wichtigsten Arbeitsschritte ist dabei die Dokumentation des forensischen Befundes. Darauf bauen Diagnose und Gutachten des Rechtsmediziners auf, welche wiederum für die Rechtsprechung von zentraler Bedeutung sind. Das IRM Zürich hat hier einen modernes Verfahren namens ‚Virtopsy‘ (Virtuelle Autopsie) entwickelt und nutzt für die Dokumentation bildgebende Verfahren, wie sie in der klinischen Medizin und in der Industrie schon seit einiger Zeit eingesetzt werden. Das Projekt startete um die Jahrtausendwende als multidisziplinäres Forschungsprojekt zur Implementierung von Bildgebungsmodalitäten aus der diagnostischen Radiologie und Vermessungstechnologie. Der neue Ansatz bietet stark verbesserte forensische Analysemethoden.

3D-Oberflächen-Scan und modulares Robotersystem

Das 3D-Oberflächen-Scanning dient in Bereichen wie dem Fahrzeugbau und der Vermessungstechnik der Analyse und Gestaltung von Oberflächen. Modifiziert für die Zwecke der Rechtsmedizin zeichnet bei Virtopsy ein 3D-Oberflächen-Scanner automatisch Befunde geformter Körperverletzungen maßstabsgetreu und dreidimensional auf. Durch diese Informationen lassen sich Rückschlüsse auf das Tatwerkzeug ziehen. Das 3D-Oberflächenbild wird erweitert mit Informationen aus CT und MRT. Als Teil der Virtopsy wurde von ACMIT ein modulares Robotersystem (Virtobot) entwickelt, welches es ermöglicht, automatisiert Gewebe- und Flüssigkeitsproben des Leichnams zu entnehmen bzw. die Bilddatenerfassung (3D-Scan und Fotos) voll automatisch durchzuführen. Beim Multi-Target-Screening z.B. werden von einer Leiche, die tagsüber angeliefert wird und am nächsten Morgen obduziert werden soll, Blut und Urin über Nacht automatisiert analysiert. Hierbei werden bereits die Substanzen erfasst, die etwa 95 Prozent der Fälle abdecken.

Unterschied zur klassischen Rechtsmedizin

Die Aufzeichnungen in 3D machen einen entscheidenden, qualitativen Unterschied zur klassischen rechtsmedizinischen Befunddokumentation aus. Die digitale Datenerhebung und -speicherung erlauben eine Befunddokumentation ohne die Gefahr einer subjektiven Missinterpretation. Während Wunden an lebenden Körpern abheilen und Verletzungen an Verstorbenen dem natürlichen Zerfall unterliegen, halten die Befunddokumentationen aus bildgebenden Verfahren alle Details eines Körpers auf Dauer fest. Die Daten sind archivierbar und zeitunabhängig reproduzierbar. Sie lassen sich in Rekonstruktionen von Tatort und Tathergang einblenden und stehen Forschung und Lehre zu Studien- und Übungszwecken zur Verfügung. Seit Virtopsy vor rund zehn Jahren in die Rechtsmedizin Einzug gehalten hat, stützen sich rechtsmedizinische Gutachten, Rekonstruktionen und Diagnosen immer häufiger auf die 3D-Befunddokumentation. Das neue Verfahren ergänzt und erweitert damit die klassische Autopsie.

Robotereinsatz in der Rechtsmedizin
Bild: ACMIT GmbH


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