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Kommentar von Nikolai Ensslen, CEO und Gründer von Synapticon

Explosion trifft Exploration

Im aktuellen Umfeld der Corona-Krise mögen konkrete Vorhersagen noch schwieriger sein als zuvor. Dennoch gilt: Cobots sind ein Zukunftsmarkt. So hat sich der weltweite Absatz in diesem Segment laut Interact Analytics um 57 Prozent gesteigert. Im Jahr 2027 soll die kollaborative Robotik rund 30 Prozent des Weltmarktes ausmachen. Spannend sind hierbei die regionalen Unterschiede.

 (Bild: Sebastian Berger, www.sebastian-berger.de)

„Die Zukunft der Robotik ist noch nicht entschieden. Klar ist nur, dass der Bedarf an kollaborativen Systemen langfristig steigt.“ Nikolai Ensslen, CEO und Gründer von Synapticon (Bild: Sebastian Berger, www.sebastian-berger.de)

In China haben sich Cobots zu einem der absoluten Top-Themen im Bereich Automatisierung entwickelt. In manchen Bereichen sind sie gar mit atemberaubender Geschwindigkeit zum Hauptthema avanciert. Ein Grund dafür könnte sein, dass in den vergangenen fünf Jahren in China eine sehr große Zahl an neuen Herstellern eher traditioneller Roboter entstanden ist, die sich im heimischen Markt zwar gut etablieren konnten, die aber im Ausland praktisch keine Akzeptanz gefunden haben. Das mag auch daran liegen, dass diese Hersteller fast ausnahmslos die Designs von japanischen und europäischen Herstellern annähernd kopierten und über Qualitäts- und Leistungsreduktion gespart haben.

Cobot-Boom als Chance

Für diese Hersteller – und auch für unzählige chinesische Startups – bietet der Cobot-Boom nun die Chance, in einer rasch wachsenden Nische ihre Claims abzustecken und Marktanteile zu sichern, ohne mit den etablierten Herstellern in Konkurrenz zu treten. Diese Cobots made in China entstehen in einem Umfeld, in dem die ehemalige Werkbank der Welt selbst mehr Technologieführerschaft anstrebt und durch benachbarte Länder unter Druck gesetzt wird, die durch geringere Löhne zu noch attraktiveren Produktionsstandorten werden. Nun steigt auch in China der Druck zur Automatisierung und Kostensenkung. Cobots gelten vielerorts als die beste Antwort. Tatsächliche Kollaboration, wie sie von europäischen Prototypen immer wieder medienwirksam demonstriert wird, ist hierbei jedoch nicht das Thema. Viel mehr streben die chinesischen Hersteller und deren Kunden Systeme an, die sich durch geringe Kosten und einfache Integration in bestehende Umgebungen auszeichnen.

Demokratisierung der Robotik

Eine untergeordnete Rolle spielt folglich auch der Aspekt der Safety-Zertifizierungen. Sobald sich ein Modell im Testbetrieb als zuverlässig, robust und ungefährlich erwiesen hat, gilt es auch als sicher. Es scheint nicht der dortigen Mentalität zu entsprechen, dass in maximaler Detailtiefe nachgewiesen werden muss, wie es um einzelne Aspekte der Sicherheit bestellt ist und wie diese evaluiert werden. Vielerorts fehlt das Verständnis dafür, welchen Wert die Entwicklung entsprechender Normen hat. Solange dieser Nutzen nicht gesehen wird, gibt es auch keine Bereitschaft, hierfür Aufwand zu betreiben. Die hohe Geschwindigkeit, mit der die chinesischen Hersteller diesen sehr auf Output ausgelegten Ansatz umsetzen, führt unweigerlich zu einer Demokratisierung der Roboter. Die kostengünstigen Modelle, die sicherlich Defizite haben, schaffen die Möglichkeit für eine große Zahl an Unternehmen, Roboter anzuschaffen und zu integrieren. Somit wird der Cobot zum PC der Robotik: keine High-Performance-Lösung, aber stabil im Einsatz, bezahlbar in der Anschaffung und einfach in der Anwendung.

Kommentar von Nikolai Ensslen, CEO und Gründer von Synapticon
Bild: Sebastian Berger, www.sebastian-berger.de


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