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Störe meine Kreise nicht

Fachkräftemangel – Teil 3: Wer sich momentan in einer Berufsausbildung befindet, gehört zur Generation Z, ist also um die Jahrtausendwende (Zero) geboren. Diese Menschen bringen ganz eigene Vorstellungen dazu mit, wie sich ihr Arbeitsalltag zu gestalten hat.

 (Bild: Michael Lind)

Michael Lind schreibt seit 30 Jahren für und über die nationale und internationale Roboter- und Automatisierungsbranche. Er war knapp zwei Jahrzehnte lang Chefredakteur (später auch Herausgeber) einer Fachzeitschrift zu diesen Themen. (Bild: Michael Lind)

Mein jüngster Sohn gehört nicht zur Generation Z und er ist Kälteanlagenbauer. Nach der Ausbildung hat er im Auftrag seines damaligen Arbeitgebers mehr als acht Jahre lang deutschland- und weltweit Kälteanlagen errichtet und in Betrieb genommen. Das klingt abenteuerlich, hat aber seinen Preis: Ungeregelte Feierabende, nahezu kein Familienleben, körperlich relativ schwere Arbeit, Projekt- und Personalverantwortung, soziale Kompetenz,? all das ist eher nichts für die Vertreter der Generation Z.

Da passt es, dass laut der Online-Plattform ausbildung.de die beliebtesten Ausbildungsberufe im kaufmännischen Bereich angesiedelt sind. Der erste mehr oder weniger industrierelevante Beruf rangiert auf Platz fünf: Kfz-Mechatroniker (also Autoschrauber). Auf Platz neun folgt Elektroniker.

Über die Gründe dafür habe ich mit der Human-Resources-Managerin eines deutschen Konzerns sowie mit den Personalleitern von zwei mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauern gesprochen. Das Urteil der HR-Managerin über die Generation Z war schon mal ernüchternd: „Die überwiegende Mehrheit dieser jungen Menschen, die so vehement ihre Selbständigkeit betonen, lässt sich ausgerechnet bei der Berufswahl sehr stark von Meinungen aus dem sozialen Umfeld leiten. Mit anderen Worten: Nicht sie selbst entscheiden über ihren künftigen Beruf, sondern sie lassen ihn sich quasi aussuchen. Das zeigt zum einen: Vertreter der Generation Z setzen sich zu wenig mit dem Thema Arbeits- und Berufswelt auseinander. In diesem Punkt muss die Berufsorientierung an den Schulen eindeutig besser werden. Zum anderen kann, wer während der Ausbildung scheitert, dafür seine ‚Ratgeber‘ verantwortlich machen. Das wiederum wird gerne verbunden mit der generellen Kritik am Ausbildungsbetrieb, an Ausbildungsinhalten, am kollegialen Umfeld, an Arbeitszeiten und so weiter.“

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Bild: Artiminds Robotics GmbH

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Einen Teil dieser Argumente stützt einer der Personalleiter, mit denen ich gesprochen habe: „Die Fähigkeit zur Selbstkritik ist bei vielen Vertretern der Generation Z leider nicht stark ausgeprägt. Fachlich begründete Kritik wird von ihnen schnell als Angriff auf die eigene Persönlichkeit empfunden. Fast scheint es so, als würden sie signalisieren: Störe meine Kreise nicht. Diese Konfliktscheu kenne ich von vorhergehenden Generationen so nicht.“

Berufsbildende Defizite in der Schule hat auch der zweite Personalleiter ausgemacht: „Die jungen Menschen lernen alles Mögliche, aber relativ wenig für das Berufsleben. Die können ganz viel auf ihren Smartphones oder Tablet-PCs, versagen aber oftmals eklatant bei den simpelsten Dingen in der Berufsausbildung. Da muss in punkto Berufsorientierung ganz dringend nachgebessert werden.“ Doch wie?

Mein Schulfreund Dieter, der als Lehrer in Rosenheim jahrzehntelang Schüler in den Fächern Deutsch und Sport ‚gequält‘ hat, weiß, wo es klemmt: „Wenn die Bundesländer keine Gelder für Lehrkräfte bereitstellen, die sich explizit und fundiert um die Berufsorientierung kümmern, dann findet sie halt nicht statt.“ Er empfindet es auch bedenklich, dass zukunftsträchtige Berufe in der IT- und Software-Branche, in Bereichen wie E-Commerce und Soziales nicht deutlicher in den Fokus gerückt würden.

Apropos zukunftsträchtige Berufe: Rolf Peters, ein Urgestein in der deutschen Roboterbranche, hat schon vor mehr als 15 Jahren das Berufsbild des ‚Robotikers‘ entwickelt und ist damit deutschlandweit in Bildungs- und Kultusministerien Klinken putzen gegangen. Erfolglos. Ich vermute einen Grund für Peters‘ Scheitern darin, dass die Menschen in diesen Institutionen derartige Eigeninitiativen gar nicht zulassen können. Sie stören ihre Kreise. (mli)

Störe meine Kreise nicht
Bild: Michael Lind


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