Neuer Kuka-Kleinroboter KR 3 Agilus

„Volltreffer für die
Elektronikindustrie“

Was können Roboter in der modernen Elektronikfertigung leisten? Der Roboterhersteller Kuka sieht in dieser Hinsicht ein breites Aufgabenspektrum und folglich hohes Potenzial. Deshalb wurde der neueste Zuwachs im Portfolio des Augsburger Unternehmens – der KR 3 Agilus – speziell auf die Anforderungen im sogenannten 3C-Markt ausgelegt. Was das im Detail bedeutet, darüber hat ROBOTIK UND PRODUKTION mit Wolfgang Schiller, dem Verantwortlichen bei Kuka Roboter für die Elektronikbranche, und der Produktmanagerin für den neuen Roboter, Eeva-Maria Kittilae, gesprochen.
ROBOTIK: Der Automobilbau ist immer noch das Segment, in dem sich mit Abstand die meisten Roboter finden lassen. Kuka adressiert mit seinem Portfolio aber längst auch andere Industriebereiche. Wo liegt abseits von Automotive das meiste Potenzial?

Wolfgang Schiller: Die Historie von Kuka Roboter liegt in der Tat im Automobilbau – hier ist das Unternehmen groß geworden. Um dem Marktrend Rechnung zu tragen, engagieren wir uns aber seit über zehn Jahren auch stark in weiteren Branchen. Entsprechend hat sich Kuka vor zwei Jahren ergänzend zur geografischen Vertriebsstruktur auch nach Divisionen aufgestellt, die ganz gezielt homogene Marktsegmente adressieren: Automotive, die Metallindustrie, Maschinenautomation, den Bereich Consumer Goods, Healthcare und Medical, das Segment Industrial Business Development – zu dem z.B. der Kuka Coaster gehört – und der Bereich Electronics.

ROBOTIK: Welches Gewicht hat die Elektronikfertigung in diesem Verbund?

Schiller: Dieser Bereich, den wir 3C – Computer, Communication- und Consumer-Electronics – nennen, war früher ein bisschen das Stiefkind bei Kuka. Der Erfolg des Unternehmens stammt ja, wie eingangs beschrieben, von Robotern für große Produkte und schwere Traglasten. Das Applikationsspektrum, bei dem es um kleine Bauteile, geringe Traglasten und kompakte Roboterzellen geht, fokussieren wir seit dem Start unserer Agilus-Familie.

Eeva-Maria Kittilae: Diese Baureihe hat sich aber schnell zu unserem Erfolgsträger in der General Industry entwickelt – sie bietet hohe Taktraten und ist ursprünglich mit einer Traglastklasse von 6 bis 10kg an den Start gegangen. In der Elektronikfertigung sind die Agilus-Modelle aber dennoch teilweise an Grenzen gestoßen, denn dort gibt es extrem wenig Platz, weswegen Zellen so kompakt wie möglich aufgebaut sein müssen. Diesen speziellen Anspruch können wir mit dem neuen KR 3 Agilus jetzt besonders gut bedienen und Roboterzellen auf einer Grundfläche von nur 600x600mm realisieren.

ROBOTIK: Obwohl sehr schnelllebig und von manuellen Tätigkeiten geprägt, ist die Elektronikfertigung also ein spannender Markt für Kuka?

Schiller: Die Branche ist technologisch getrieben wie keine zweite und hat extrem kurze Produktlebenszyklen. Dort wo Technologieentscheidungen sehr kurzfristig getroffen werden, ist es grundsätzlich nicht einfach zu automatisieren – nicht aus technischer Sicht, sondern aus Gründen der Vorlaufzeit und des Return on Invests.

Kittilae: Der Mensch war aus diesem Blickwinkel heraus eben die flexiblere und günstigere Lösung. Aber insbesondere in China sind die Lohnkosten in den letzten Jahren enorm gestiegen und dieser Trend setzt sich mit gleicher Geschwindigkeit fort. Die Elektronikproduzenten müssen sich jetzt einfach nach Alternativen umschauen.

Schiller: Und so durchlebt die Elektronikindustrie aktuell eine zweite Welle der Automatisierung. In der ersten Phase wurden die klassischen Prozesse automatisiert – von der Werkzeugmaschine über die Logistik bis zu der SMT-Fertigung. In der zweiten Phase werden jetzt auch immer mehr Roboter für Montage- und Handling-Aufgaben eingesetzt und die Nachfrage hat sich sehr stark entwickelt. Damit war bei Kuka die Zeit reif für eine exakt passende Lösung. Anders als viele große Roboter, die sehr vielseitig sein müssen, haben wir den KR 3 Agilus ganz spezifisch ausgelegt. Unser Anspruch in Bezug auf Qualität, Performance und Kosten lautete, einen Volltreffer für das 3C-Segment zu landen. Deswegen sind wir in der Entwicklung von Anfang an lösungsorientiert vorgegangen und haben uns auf den Kundennutzen konzentriert. Im Ergebnis können wir der Elektronikbranche genau das bieten, was sie benötigt – alles Unnötige haben wir weggelassen.

ROBOTIK: Die Elektronikbranche folgt also – was die Robotik anbelangt – ihren eigenen Gesetzen?

Schiller: Richtig, denn ein typischer Elektronikproduzent plant höchstens zwei bis drei Jahre voraus. Aufgrund der Schnelllebigkeit der Produkte und des Marktes, kann er heute gar nicht abschätzen, welche Produkte er in drei Jahren fertigen und welche Komponenten und Materialien er dafür einsetzen muss. Ein Beispiel aus der Praxis: Wenn ein Smartphone-Anbieter beschließt in der nächsten Generation das Gehäuse seiner Geräte von Kunststoff auf Metall umzustellen, muss der Auftragsfertiger umgehend reagieren und benötigt quasi von jetzt auf gleich CNC-Maschinen statt Spritzgießmaschinen. In der Folge muss es sich für ihn rechnen, Anlagen aufzubauen, die nach wenigen Jahren weiterverkauft oder zumindest anders wiederverwendet werden. Dieser Ansatz macht vor der Robotik nicht Halt. Natürlich hält unser Roboter länger als zwei Jahre. Die Philosophie der Branche lautet aber: Es gibt in den meisten Fällen keine längerfristigen Investitionen, es gibt nur Anschaffungen für ein konkretes Kunden-Projekt.

ROBOTIK: Wie stehen die Chancen, dass durch Automatisierung und den Einsatz von Robotern die Elektronikfertigung in Märkten wie Europa und den USA wieder zunimmt?

Schiller: Roboter ermöglichen inzwischen sehr flexible, smarte und wirtschaftliche Lösungen, mit denen es auch wirklich Sinn macht, lokal zu produzieren. Kombiniert mit den Schlagworten Dezentralisierung und Mass-Customization lassen sich viele verschiedene attraktive Ideen und Geschäftsmodelle entwickeln. Deshalb sehe ich mittelfristig schon eine Tendenz, dass die Elektronikfertigung in den westlichen Ländern wieder zunimmt. Aber nicht auf asiatischem Level. China ist mit Abstand der größte Markt – im Prinzip das Produktionshaus der Elektronikindustrie – und das wird auch zunächst so bleiben.

ROBOTIK: Was prädestiniert den KR 3 Agilus über die kompakten Abmessungen hinaus für diese Branche?

Kittilae: Der KR 3 ist nicht nur besonders kompakt, sondern auch sehr leicht – mit einem Gewicht von nur 26kg ermöglicht er einfache Zellenkonzepte und kann flexibel in ganz unterschiedlichen Positionen integriert werden. Abseits von Größe und Gewicht sind in der Elektronikfertigung besonders hohe Taktraten gefragt. Der KR 3 Agilus erüllt diesen Anspruch als schnellster Sechsachser im Traglastbereich von 3kg auf dem Markt außergewöhnlich gut und ist dabei auch sehr präzise, was für Handling und Montage von kleinen Bauteilen unerlässlich ist.

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