Anzeige
Advertisement
Anzeige
Advertisement
Anzeige

Serviceroboter reduziert auf das Wesentliche

Was einen Roboter ausmacht

Der kleine Roboter Jibo dient nicht der Forschung, sondern ersetzt verschiedene Geräte der Unterhaltungselektronik. Elegant und reduziert gestaltet – ohne Arme und Beine oder Fortbewegungsmöglichkeiten – soll der Serviceroboter Menschen vor allem unterhalten und ihnen ein echter Partner mit Emotionen sein. Dabei erzählt er Geschichten, spielt Musik ab und übernimmt die Rolle des Fotografen auf Familienfesten. Doch reicht das aus, um sich Roboter nennen zu dürfen?

 (Bild: Jibo Inc.)

(Bild: Jibo Inc.)

Er sieht aus wie ein übergroßes Mensch-Ärgere-dich-nicht-Männchen im Apple-Design: der kleine Jibo. Das eigens zu dem Zweck seiner Entwicklung gegründete Start-Up Jibo Inc. startete die Entwicklung von Jibo als Crowd-funding-Projekt. Hinter dem 10-Mann-Unternehmen mit zwei US-Büros steckt keine Geringere als Cynthia Breazeal, die Leiterin der Personal Robots Group des Media Labs am Massachusetts Insitute of Technology (MIT). Sie ist in der Robotikszene keine Unbekannte, entwickelte sie doch in den 1990er-Jahren Kismet. Der humanoide Roboter besteht nur aus einem Kopf mit Halsbereich, agiert mit dem Menschen und simuliert dabei menschliche Emotionen. Das Projekt wurde im Jahr 2000 eingestellt, Kismet endete als Schaustück im Museum des MITs. Dieses einsame Schicksal soll Jibo nicht wiederfahren – vielmehr soll er nach Breazeals Plänen zu Hunderten Eingang in Privathaushalte finden.

Ist Jibo ein echter Roboter?

Einmal fertig gestellt, soll Jibo etwa 500US$ kosten, inklusive Developer Kit 600US$. Der kleine Haushaltshelfer, der bisher nur über eine Warteliste vorbestellbar ist, misst 28cm in der Höhe, 15cm im Durchmesser und ist 2,7kg schwer. Laut seiner Entwicklerin soll Jibo in erster Linie ein freundlicher und lustiger Kamerad sein, ein echtes Familienmitglied. Sein Äußeres ist bewusst sehr abstrakt gehalten. Er besitzt lediglich einen kurzen Rumpf und einen Kopf. Er kann sich nicht im Raum bewegen und hat keinerlei Gliedmaßen. Seine Oberfläche ist glatt, in elegantem Weiß gehalten und glänzend. Das Äußere wirkt modern, futuristisch und symmetrisch. Breazeal beschreibt Jibo in Interviews trotz seines reduzierten Äußeren und des geringen Funtkionsumfangs als einen waschechten, sozialen Roboter, der kein niedliches Spielzeug sein soll, sondern High-End-Unterhaltung bietet.

Bild: Jibo Inc.

Roboter ersetzt Wohnzimmertechnik

Jibo ersetzt mit seinen Funktionen in erster Linie die in Privathaushalten gängige Unterhaltungselektronik. Doch im Gegensatz zu Tablet, Laptop und Co. soll der Serviceroboter statt mit leistungsfähigen Prozessoren und Sensoren mit Emotionalität überzeugen. Statt eines Gesichts mit menschlicher Mimik – der Darstellungsfläche für unsere Emotionen – zeigt sein glatter, kalter LCD-Bildschirm eine weiße Kugel, die als eine Art Auge fungiert. Jibo kann zwinkern, seine Kugel bei Bedarf aber auch in ein Herz, eine Uhr, eine optische Darstellung des Wetters, einen Smiley oder ein Fragezeichen verändern. Diese einfachen Symbole sind auch von Weitem leicht zu erkennen. Der Roboter kann mithilfe zahlreicher Apps Videoanrufe vermitteln, Fotos und Videos erstellen, Essen bestellen, Rezepte anzeigen und weitere Informationen aus dem Internet abrufen. Er beantwortet Fragen auf Englisch, fungiert als Wecker und erinnert seinen Besitzer an Termine. Aufgrund seiner Gesichtserkennungssoftware wendet er sich einzelnen Personen zu, erkennt diese wieder und begrüßt sie persönlich. Jibo wird zum Geschichtenerzähler, wenn er E-Books anzeigt oder vorliest und dabei interaktiv Grafiken und Bilder einblendet. Er ist lernfähig, speichert von seinen Interaktionspartnern empfangene Informationen und wendet diese mithilfe smarter KI-Algorithmen proaktiv an. Jibo erzählt sogar Witze, meldet sich selbstständig zu Wort und soll, wenn die Entwicklungsarbeit abgeschlossen ist, in der Lage sein, Emotionen bei Menschen zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Besonders lustig: Jibo kann sich nach vorne und nach hinten neigen, z.B. um sich zur Musik zu bewegen.

Jibos Innenleben

Auf der technischen Seite basiert Jibo auf einem ARM-Prozessor mit einer Embedded-Linux-Plattform inklusive Sprach- und Gesichtserkennungssoftware. Jibo Inc. ist offen für die App-Ideen anderer Entwickler von außen. Mittels einem auf JavaScript basierenden Programmier-Tool haben diese Zugang zur API des Roboters. Jibo verfügt über drei Achsen mit hochauflösendem Encoder und Feedback Control. Drei Motoren und ein flexibles Gurtsystem sorgen dafür, dass der kleine Roboter seinen Kopf um 360° drehen und seinen Rumpf um 145° neigen kann. Er verfügt über zwei Stereo-Farbkameras und zwei Lautsprecher. Auf diese Weise spielt er z.B. im Hintergrund Musik ab und ist gleichzeitig in der Lage, über Töne und Sprache zu kommunizieren. Als Gesicht trägt Jibo einen hochauflösenden LCD-Farb-Touchscreen und sein Körper leuchtet in hellem LED-Licht. Er ist WiFi- und Bluetooth-fähig und erhält seinen Strom mittels AC-Adapter direkt aus der Steckdose. Ein bisheriges Manko ist sein eingebauter Akku: Er hat eine durchschnittliche Laufzeit von nur 30min.

Bild: Jibo Inc.

Fazit

Die Frage, ob es sich bei Jibo um einen echten Serviceroboter handelt, ist vielleicht berechtigt. Immerhin kann er sich nicht fortbewegen, hat keine Gliedmaßen und auch kein anthropomorphes Gesicht. Aber was ihn von schlichter Unterhaltungselektronik unterscheidet, ist seine Fähigkeit zur Interaktion und zum eigenständigen Lernen. Und im Gegensatz zu anderen Elektrogeräten ist er dazu ausgelegt, in uns Menschen echte Emotionen auszulösen, auch ohne Gesicht oder menschenähnliche Gestalt. (fiz)

Serviceroboter reduziert auf das Wesentliche
Bild: Jibo Inc.


Empfehlungen der Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Besonders in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen steht das Thema Hygiene an oberster Stelle. Logistikkonzepte mit fahrerlosen Transportsystemen (FTS), Rohrpostanlagen und Robotiklösungen helfen dabei, den kritischen Transport von Gütern durch Pflegekräfte zu reduzieren. Um zu klären, welche Systeme für welche Einrichtung am besten geeignet sind, ist eine umfassende Planung erforderlich. Prinzipiell ist der Einsatz jedoch sowohl in Neubauten als auch in Bestandsbauten möglich.‣ weiterlesen

Anzeige

Die meisten westlichen Gesellschaften werden in der 2. Hälfte dieses Jahrhunderts mit dem konfrontiert sein, was in Japan im nächsten Jahrzehnt bereits Realität werden soll: die Kombination aus einer alternden Gesellschaft und einer schrumpfenden Bevölkerung. Um Krankenhäuser und Pflegeheime zu entlasten, hat der japanische Roboterhersteller Panasonic einige neue Serviceroboter entwickelt, vom Transportroboter für Medikamente und medizinische Proben bis hin zum autonomen Rollstuhl und einer Gehhilfe mit künstlicher Intelligenz.‣ weiterlesen

Anzeige

Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, hat das Fraunhofer IPA in kurzer Zeit den Prototyp eines mobilen Reinigungs- und Desinfektionsroboters entwickelt. Er fährt selbstständig zu potenziell kontaminierten Objekten wie Türgriffen, desinfiziert sie gründlich und ist dabei ressourcenschonend sowie zeiteffizient.‣ weiterlesen

Anzeige

Der Walk Training Robo von Panasonic sieht aus wie eine einfache Gehhilfe, ist aber darauf ausgelegt, die Gehfähigkeit eines Patienten zu stärken, um das Gehen –  etwa nach einem Schlaganfall – neu zu erlernen oder zu verbessern. ‣ weiterlesen

Anzeige

Der autonom fahrende Elektrorollstuhl PiiMo von Panasonic kann sich selbstständig fortbewegen, nachdem der Benutzer über eine Smartphone-Applikation ein Ziel vorgegeben hat. Darüber hinaus kann er sich mit sensorbestückten Gepäckwagen verbinden, die dem Rollstuhl automatisch folgen.  ‣ weiterlesen

Anzeige

Der Serviceroboter Hospi von Panasonic wurde in einem Joint Venture mit dem Matsushita Memorial Hospital in Osaka, Japan, entwickelt. Mittlerweile sind 15 Einheiten in fünf Krankenhäusern im Einsatz: vier in Japan und eines in Singapur. Die Roboter transportieren z.B. Medikamente oder medizinische Proben. Das Staufach kann sechs Medikamentenschalen in Standardgröße aufnehmen.  ‣ weiterlesen